Wilhelm Heid

Wilhem Heid (†)
Ehrenvorsitzender seit 1984
1. Vorsitzender: 1964-1978

Wie sein „Kollege“ Leonhard Grottenthaler, ebenfalls Ehrenvorsitzender des FC Wertheim-Eichel, durfte auch Wilhelm Heid im Jahr 2000 einen runden Geburtstag bei guter Gesundheit feiern. Der „Leenhard“ wurde am 9. Juni 75 Jahre, der „Willem“ am 27. August 80 Jahre alt. Sie sind die „Gründerväter“ des FC Wertheim-Eichel, den die beiden zusammen mit 53 anderen Männern am 8. Februar 1964 im Gasthaus „Vogel Strauß“ ins Leben gerufen haben.

 

Was beide zusammen mit all ihren Mitstreitern geleistet haben, kann sich in der Tat sehen lassen: über 600 Mitglieder zählt der FCE, dem ein schmuckes Sportheim und zur Ausübung des Fußballsports der Trainingsplatz, der Haupt- und Nebenplatz zur Verfügung stehen. „Die Saat hat sich gut vermehrt, es war nicht umsonst“, blickte Wilhelm Heid, wohl auch im Sinne Leonhard Grottenthalers sprechend, auf beider Lebenswerk. Im Gespräch mit der Vereinszeitung „FC 2000“ schilderte Wilhelm Heid sowohl sein Fußballer-Leben, als auch die Entwicklung der drei (Fußball)-Vereine, die in Eichel gegründet wurden.

 

Wilhelm Heid begann zu einer Zeit mit der „Kickerei“, als die Sportart in Deutschland erstmals so richtig populär wurde. Im Alter von 15 Jahren wagte er seine ersten Versuche mit dem Fußball. „Echter Ächler“, der er ist, lag sein erstes „Spielfeld“ zwischen „Gänsgarten“ und Wäscheplatz am Main. Dort befand sich auch der „Turnplatz“, ausgestattet freilich lediglich mit einem alten Barren. Erst durch die Erdaufschüttungen, die im Zusammenhang mit dem Bau der Staustufe Eichel (Fertigstellung 1936) vorgenommen worden waren, entstand in diesem Bereich die Wiese, die später zum ersten Sportplatz in Eichel werden sollte und heute als Trainingsplatz und Maifeuerstelle wohl bekannt ist.

 

In den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es in Wertheim zwei Möglichkeiten, im Verein Fußball zu spielen. Entweder im 1909 gegründeten FC Adler Wertheim oder in der bis 1933 existierenden DJK Wertheim, deren Sportplatz sich stadtauswärts hinter dem Mühlenviertel auf Höhe der inzwischen als Messe-Parkplatz genutzten Wiese rechts der Tauber befand. Der FC Adler Wertheim spielte auf dem damals bereits existierenden Sportplatz links der Tauber, dem heute noch so genannten Taubersportplatz. Hier begann Wilhelm Heids Laufbahn als Fußballer. Halbstürmer nannte man damals die Position, die er spielte, heute hieße das wohl offensiver Mittelfeldspieler. Drei Jahre lang, von 1935 bis 1938, spielte Wilhelm Heid beim FC Adler Wertheim in der Jugendmannschaft, ehe er wie so viele in der damaligen Zeit zum Arbeitsdienst herangezogen wurde, aber auch mit einer Ausbildung bei der Post begann. Im März 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, war als Soldat im Zweiten Weltkrieg in Frankreich, Russland und Italien und blieb dabei „bis auf ein paar Frostbeulen“ unverletzt.

 

„Fußball haben wir auch in Kriegszeiten gespielt“, erzählt Wilhelm Heid. „Einmal sogar in Russland direkt hinter der Hauptkampflinie, also der Front.“ Zum Kriegsende fand sich Unteroffizier Heid allerdings in englischer Gefangenschaft wieder. Sein Lager war in Rimini an der italienischen Adriaküste. Auch dort wurden Fußballspiele ausgetragen, und Wilhelm Heid war ein so Guter, dass er es schaffte, für die „Lager-Mannschaft“ nominiert zu werden. Dazu muss man sich vorstellen, dass dieses Lager rund 20.000 „Insassen“, also auch entsprechend viele Fußballer hatte. „Wenn wir dann gegen Mannschaften aus anderen Gefangenenlagern gespielt haben, wurde sogar Eintritt verlangt: pro Zuschauer ein Keks. Die Kekse wurden dann den Fußballern als Zusatzverpflegung gegeben“, erinnert sich der „Willem“.

 

Am 1. November 1945 begann für Wilhelm Heid dann das Leben nach dem Krieg. Kaum wieder zu Hause in Eichel angekommen, wurde er von Fritz Winzenhöler vom ehemaligen FC Adler Wertheim „wiederentdeckt“. Und schon am 3. November bestritt Wilhelm Heid wieder sein erstes Fußballspiel, nun aber für die inzwischen gegründete Sportgemeinde (SG) Wertheim. Als sich in Deutschland die Lage insgesamt wieder zu „normalisieren“ begann, lohnte es sich bald auch in Eichel, einen eigenen Sportverein zu gründen. Das taten Friedrich Götzelmann und Karl Leiss, Initiatoren des SC 46 Eichel, der gleich zur Spielzeit 1946/47 im Fußballkreis aktiv wurde und seine Verbandsspiele gegen die Mannschaften aus Rauenberg, Hundheim, Dörlesberg, Urphar, Höhefeld, Mondfeld, Gamburg oder Uissigheim absolvierte. „Gegen Uissigheim gab es mal einen 11:0-Sieg von uns, und der Wilhelm hat alle elf Tore erzielt“, weiß Leonhard Grottenthaler eine Anekdote aus dieser Zeit zu berichten.

 

Als „Ächler“ Sportplatz wurde übrigens die bereits erwähnte „Halde“ am Main genutzt, die von den damals Aktiven selbst mit Torgestänge und Drahtnetzen ausgestattet worden war. „Wir hatten fast täglich eine Krisensitzung“, erzählt Heid. Zu klären waren dabei die Fragen wie „Wo können wir uns noch etwas zum Beispiel für den Sportplatz besorgen?“ Die Holzbalken der ersten Eicheler Fußballtore beispielsweise wurden aus einem Gestänge gezimmert, das einst der Luftwaffe gehört hatte und an der Römerstraße (Richtung Urphar) von den Eichelern entdeckt worden war. Auch Draht für die „Tornetze“ und Stangen zum Stabilisieren des Ganzen waren über kurz oder lang aufzutreiben. Als man schließlich auf Vermittlung von Ernst Weid auch noch an den ersten „fertigen Ball“ gekommen war, galt es „lediglich“ die Trikot-Frage noch zu klären. Aus Zuckersäcken, die im Kolonialwaren-Laden Zembsch unter anderem auch von den Eicheler Fußballern geleert wurden, entstanden schließlich nach Zuschneiden und Färben die ersten „echten“ Trikots. „Weil der 1. FC Nürnberg damals die führende Mannschaft in Deutschland war, haben wir unsere Trikots und damit die Vereinsfarben, also rot-schwarz, gewählt“, informiert Wilhelm Heid.

 

Im Jahre 1951 gab es in Wertheim dann die erste Fußball-Fusion. Aus der SG Wertheim, dem 1948 auf dem Reinhardshof gegründeten SC 48 Wertheim (später: SC Viktoria) und dem SC 46 Eichel entstand die Sportvereinigung (SV) Wertheim. „Man hat sich eine stärkere Mannschaft erhofft“, erinnert sich Wilhelm Heid, der zusammen mit Karl „Bubi“ Leiss für die erste Mannschaft des neuen Vereins nominiert wurde. Den Rest stellten die Akteure aus der Stadt und vom Reinhardshof. „Aber es hat doch nicht gereicht, höherklassig zu spielen“, sagt Heid. Immerhin: eine Spielzeit war er in der SV-Mannschaft in der II. Amateurliga aktiv, ehe sich die Eicheler dazu entschlossen, der Sportvereinigung wieder den Rücken zu kehren. „Es hat damals menschlich einfach nicht so gepasst“, nennt Wilhelm Heid einen Grund für den raschen Rückzug der Eicheler, die von 1952 an als FC „Adler“ wieder als selbstständiger Verein firmierten, ehe sie sich wegen Spielermangels 1954 vom Sportbetrieb zurückziehen mussten. Für Wilhelm Heid bedeutete dies gleichzeitig das Ende seiner aktiven Fußballer-Laufbahn. Er widmete sich in den Folgejahren seiner damals noch jungen Ehe mit Gertrud, geborene Bohig, die er am 29. Januar 1951 geheiratet hatte, und seinem Beruf als Postsekretär (von 1953 bis 1982).

 

Als Leonhard Grottenthaler dann 1963 seine Stelle bei den Wertheimer Stadtwerken antrat - er war einige Jahre bei der Rhein-Main-Donau AG beschäftigt -, hatte sich die Lage auf dem „Spielermarkt“ in Eichel wesentlich verbessert. „Das Verlangen nach einem neuen Verein war wieder da, auch wegen der vielen Jugendlichen“, so Wilhelm Heid zu jenem Jahr, in dem sich die Gründung des FC Wertheim-Eichel anbahnte. Nach einer Beratung über die Neugründung eines Fußballvereins am 25. Januar 1964 konnte schließlich am 8. Februar 1964 Vollzug gemeldet werden. Unter anderem als Vorsitzender von 1964 bis 1977 und als stellvertretender Vorsitzender von 1978 bis 1983 hat Wilhelm Heid seinen Teil dazu beigetragen, dass aus dem FC Wertheim-Eichel ein solide geführter und aufgrund seiner Jugendarbeit allseits geachteter Verein geworden ist.

 

Dass ein Klub in der Größenordnung des FC Wertheim-Eichel nicht „wunschlos glücklich“ sein kann, steht wohl außer Zweifel. Auch wenn die Infrastruktur soweit stimmt, verbessern lässt sich stets etwas. Und so hat Wilhelm Heid drei Wünsche, die Zukunft des FCE betreffend: dass der Verein weiter auf die Jugendarbeit baut, dass sich die erste Mannschaft weiter gut entwickelt und dass einst die Lagerkapazität auf dem Gelände des neuen Sportplatz erweitert wird.

 
(erschienen in der Vereinszeitung „FC 2000")