Corona-Virus: Interview mit dem BFV-Präsidenten vom 2. April - Keine Spiele bis 19. April

In den "Fränkischen Nachrichten" erschien am heutigen Donnerstag (2. April) folgendes Interview mit Ronny Zimmermann, Präsident des Badischen Fußballverbandes. Darin gibt er eine Einschätzung zur aktuellen Situation und möglichen Szenarien.

Interview: Ronny Zimmermann, Präsident des Badischen Fußballverbandes, über mögliche Folgen für den Amateurfußball nach der Corona-Krise

„Es wird nicht die Lösung für alle geben“

Für Ronny Zimmermann ist die Corona-Krise „die bisher größte Challenge in meinem Leben“. Der Präsident des Badischen Fußballverbandes ist derzeit als Krisenmanager gefragt. Schließlich gilt es Lösungen zu finden, für den Fall, dass der Spielbetrieb nach der Corona-Pandemie wieder aufgenommen wird. Doch auch für einen möglichen Saisonabbruch müssen Szenarien durchgespielt werden. Keine leichte Aufgabe, wie der 59-Jährige im Interview erklärt.

Herr Zimmermann, ich kann mir vorstellen, Sie führen Tag und Nacht Telefonkonferenzen?

Ronny Zimmermann: Sie sagen es. Mittlerweile muss man aufpassen, dass man weiß, in welcher Gruppe man sich momentan befindet.

Steht der Badische Fußballverband (BFV) derzeit in Kontakt mit dem DFB?

Zimmermann: Wir sind im täglichen Austausch in der Corona-Arbeitsgruppe. Die heißt wirklich so. In der Gruppe sind DFB, Landesverbände und Mediziner mit dabei. Die Informationen werden dann unverzüglich an die anderen Landesverbände weitergegeben.

Wie sieht es mit dem Kontakt zwischen dem BFV und seinen Vereinen aus?

Zimmermann: Wir informieren die Vereine immer, wenn es neue Fakten gibt, direkt. Auf www.badfv.de/coronavirus stellen wir außerdem laufend neue Infos.

Die Bundesligisten wollen im Mai wieder den Spielbetrieb aufnehmen. Kann man einschätzen, wann im Badischen Fußballverband der Ball wieder rollt?

Zimmermann: Nach jetzigem Stand ruht der Ball bis Ende Ostern, also dem 19. April. Aber genau kann man das nicht sagen. Spekulationen bringen auch nichts. Sie verunsichern nur die Menschen.

Wer entscheidet, ob es im Amateurfußball zu einem Saisonabbruch kommt?

Zimmermann: Mein Präsidiumskollege Rüdiger Heiß, die Abteilung Spielbetrieb um Felix Wiedermann und ich erarbeiten gerade die unterschiedlichsten Szenarien. Da kommen schon mehr als zehn in Frage. Diese besprechen wir intern mit unseren Gremien, mit den anderen Verbänden, vor allem in Baden-Württemberg. Dann werden wir sie online zur Diskussion stellen, damit auch Vereine die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu sagen und konstruktive Vorschläge zu machen. Wir werden auf den Tag X vorbereitet sein – wenn es dann weitergeht oder nicht.

Kann es für jede Spielklasse womöglich eine andere Lösung geben?

Zimmermann: Auch hierüber machen wir uns Gedanken. Man muss aber schauen, ob das Sinn macht. Dafür braucht man einen guten Überblick über die Spielklassen und den Tabellensituationen.

Nehmen wir einmal an, es kommt zu einem Saisonabbruch. Könnte dann das Szenario greifen: Es gibt keine Absteiger, nur Aufsteiger und manche Ligen werden aufgestockt?

Zimmermann: Auch diese Variante ist möglich. Auch das Einfrieren der Tabelle von der Halbserie oder vom aktuellen Stand wurde schon diskutiert. Sobald wir alle Szenarien durchgespielt haben, werden wir die Vereine informieren. Dem BFV ist es wichtig, was die Fußballkreise und Vereinsvertreter zu den Vorschlägen sagen. Vielleicht gibt es ja noch bessere Lösungen. Klar ist aber auch, die eine Lösung, mit der alle glücklich und zufrieden sind, wird es nicht geben.

Gibt es schon Überlegungen, wie der BFV-Pokalwettbewerb zu Ende gespielt werden kann? Der FC Nöttingen steht ja schon im Finale und träumt vom DFB-Pokal. Das zweite Halbfinale zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem ASC Neuenheim steht noch aus.

Zimmermann: Hier sind wir in der glücklichen Lage, dass nur noch zwei Spiele ausgetragen werden müssen. Das könnten zur Not auch zwei Geisterspiele sein. Voraussetzung ist allerdings, dass der Ball überhaupt wieder rollt.

Einigen Amateurvereinen brechen wichtige Sponsoren weg. Möglicherweise werden Mitgliederbeiträge nicht mehr gezahlt, da ja kein Training oder keine Spiele stattfinden. Befürchtet der Verband ein Vereins- oder Ligensterben?

Zimmermann: Ein Worst-Case-Szenario befürchtet man eigentlich immer. Aber ich denke, in der jetzigen Krisenzeit ist Solidarität gefragt. Wir hoffen, dass die Menschen vor allem auch jetzt die Sinnhaftigkeit eines Vereins erkennen und ihm die Stange halten.

Müssen Vereine ihre Spieler trotz des Spielausfalls weiterbezahlen?

Zimmermann: Das ist keine sport- oder fußballrechtliche Frage, sondern fällt unter das klassische Arbeitsrecht. Die Landesverbände haben dazu von Rechtsanwälten Expertisen eingeholt, die wir den Vereinen zur Verfügung stellen. Hier kann man auch nur dringend empfehlen jeden Einzelfall selbst prüfen zu lassen.

Der Verband erhält von den Erst- und Zweitligisten einen prozentualen Anteil an den Erlösen aus den Eintrittsgeldern. Nun wurden bereits einige Begegnungen nicht ausgetragen. Können sie den Schaden schon beziffern, der dadurch für den BFV entsteht?

Zimmermann: Allein das wird wohl ein fünfstelliger Betrag werden. Aber da kommt leider noch einiges mehr auf uns zu. Dem BFV gehört ja die Sportschule Schöneck, die momentan komplett zu ist. Das bedeutet einen großen Verlust. Die Verbandsgeschäftsstelle befindet sich im Homeoffice und auch da laufen die üblichen Mechanismen, wie Anträge auf Kurzarbeit stellen usw. Wir können die finanziellen Einbußen derzeit natürlich noch nicht abschätzen, aber ein siebenstelliger Betrag kann da schon zusammenkommen.

Ist die Corona-Krisenzeit für Sie die größte Herausforderung in Ihrer bisherigen Amtszeit als Präsident des Badischen Fußballverbandes?

Zimmermann: Es ist die bisher größte Challenge in meinem Leben. Ich habe in den 70er-Jahren die autofreien Sonntage erlebt. Das war lustig, da bin ich als junger Kerl auf den Autobahnen Fahrrad gefahren. Aber so einen Lockdown wie jetzt, das ist schon etwas ganz Neues. Ich hoffe, dass wir aus der momentanen Situation gut rauskommen. Solidarität ist jetzt wichtig. Und wer weiß, vielleicht war die Krise am Ende ja sogar für irgendwas gut.

Ronny Zimmermann – Fußballer und Funktionär

  • Geboren wurde Ronny Zimmermann am 19. März 1961 . Er studierte in Heidelberg Jura und ist seit 1992 als Rechtsanwalt in seiner Kanzlei in Wiesloch tätig.
  • Bereits während seiner Karriere als Fußballer, unter anderem beim Oberligisten VfB Leimen und dem Verbandsligisten VfB Wiesloch , engagierte sich Zimmermann als Funktionär . Seit 2004 ist er Präsident des Badischen Fußballverbands .
  • Im Oktober 2013 wurde der Jurist in das Präsidium des DFB gewählt. Dort bekleidet er das Amt des Vizepräsidenten mit den Schwerpunkten Jugendfußball und Schiedsrichterwesen.

 

Quelle: Fränkische Nachrichten vom 02.04.2020, S. 21

 

Weitere Informationen des Badischen Fußballverbandes:

https://www.badfv.de/fussball/coronavirus/   (Allgemeine Informationen zum Spielbetrieb)

https://www.badfv.de/verband/aktuelles/detailansicht/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=8439&cHash=bd44ecb43b1395e7d2397ee50b158052   (Interview vom 17.03.2020)

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